VSP: Europa am Scheideweg
07.02.2013
„2012 wird das Schicksalsjahr der Eurozone“ – diese Meinung vertritt Hannes Zipfel, Chefökonom und Vorstand der VSP AG. Zipfel ist der Auffassung, dass unsere Gemeinschaftswährung in ihre letzte Existenzphase gehe.
(fw/ah) "Es gibt zwei Möglichkeiten für die nahe Zukunft der Eurozone: Entweder führen die verzweifelten Rettungsversuche via Notenpresse zu massiver Inflation, oder die Währungsunion bricht schlicht auseinander", sagt Hannes Zipfel, Chefökonom und Vorstand der VSP AG. Eine funktionierende Währungsgemeinschaft zeichnet sich nach Ansicht des Experten durch einen freien Waren- und Kapitalverkehr, einen freien Arbeitsmarkt, eine einheitliche Geld- und Fiskalpolitik sowie ähnliche Inflationsraten aus. Die Eurozone erfüllt diese Anforderungen jedoch nur noch teilweise. "Vor allem die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Union ist derzeit stark eingeschränkt - und es gibt keine Anzeichen, dass sich dies ändern wird. Im Gegenteil: In den südeuropäischen Ländern Portugal, Spanien, Italien und auch Frankreich ist die konjunkturelle Entwicklung negativ", erläutert Zipfel. Der Ökonom ist überzeugt, dass die weiter auseinander driftende Wettbewerbshomogenität sowie die massive Kapitalflucht in die nördlichen Länder der Eurozone eindeutige Zerfallserscheinungen des gemeinsamen Währungsraums sind. "Die Eurozone existiert nur noch, weil die EZB unlimitiert Geld druckt und damit einen zunehmend weicher werdenden Euro in Kauf nimmt", so Zipfel.
Konjunktur: Europa rutscht in die Rezession
"Auch wenn sich in Deutschland die Konjunktur noch positiv entwickelt, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der ökonomische Abschwung in Südeuropa im ersten Quartal 2012 noch beschleunigt hat. Schwellen- und Rohstoffländer werden zwar weiter wachsen, die Dynamik dieses Wachstums wird aber abnehmen. Alles in allem stehen die Zeichen auf Abschwung", prognostiziert Zipfel.
Aktien: Unsicher, aber trotzdem attraktiv
"Die expansive Geldpolitik einerseits und die politische Unsicherheit andererseits verursachen Spannungen auf dem Aktienmarkt", sagt Zipfel. "Zudem belasten hohe Rohstoffpreise die Gewinnmargen. Doch weil aller Voraussicht nach die Geldpolitik im Falle eines sinkenden Wachstums und auch bei Staatsbankrotten weiterhin expansiv bleiben dürfte, bleiben Investitionen in Aktien mittelfristig attraktiv."
Zinsen & Anleihen: K.O. für längerfristige Staatsanleihen
"Staatliche, festverzinsliche Wertpapiere sind für Investoren so unattraktiv wie nie zuvor - selbst deutsche Staatsanleihen bringen bereits negative Realzinsen. Die Tatsache, dass die extrem hohen Schulden der OECD-Staaten untilgbar sind und nur durch Bankrott oder Inflation bereinigt werden können, ist ein K.O.-Kriterium für länger laufende Investitionen in Staatsanleihen", erläutert Zipfel.
Devisen: Euro geht in seine letzte Existenzphase
"Die zunehmenden Diskrepanzen bei Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und Haushaltssolidität innerhalb der Eurozone erhöhen die Gefahr des Auseinanderbrechens der Währungsgemeinschaft. Die schwachen südeuropäischen Volkswirtschaften sind auf Dauer im engen Eurokorsett nicht überlebensfähig. Das hat zur Folge, dass der Euro entweder massiv abwertet - was wiederum die Inflation hochschnellen ließe - oder dass die Währung ganz auseinander bricht", sagt Zipfel. "In jedem Fall ist von einer Investition in den Euro klar abzuraten."
Rohstoffe: Investorennachfrage treibt die Preise
"Auch für die Entwicklung der Rohstoffpreise ist die globale Geldpolitik ein ausschlaggebender Faktor. Wir gehen davon aus, dass sie weiter expansiv bleibt und damit die Rohstoffpreise weiter in die Höhe treibt", so Zipfel. "Zudem birgt die sich zuspitzende Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung zwischen Israel und dem Iran ein massives Preissteigerungspotenzial für Rohöl."
Edelmetalle: Extreme Preissteigerungen bei Gold und Silber zu erwarten
"Die Schuldenkrise eskaliert, das Wirtschaftswachstum ist rückläufig. Das bedeutet, dass die Bedeutung der monetären Edelmetalle Gold und Silber als vertrauenswürdigere Alternative zum weltweit ungedeckten Papiergeld immer größer wird", erklärt Zipfel. "Darüber hinaus ist die Nachfrage aus den Schwellenländern weiterhin robust - vor allem in China, das in diesem Jahr Indien als größten Nachfrager von physischem Gold überholen wird."

















