Führ: Geschäft mit Mittelstandsanleihen boomt
07.02.2013

© Thomas Jansa - Fotolia.com
Investoren suchen verstärkt nach attraktiven Renditen am Rentenmarkt. Im Bereich der Mittelstandsanleihen stehen in diesem Jahr einige Emissionen an. Allan Valentiner, Geschäftsführer und Direktor Fixed Income bei Johannes Führ Asset Management, erklärt im folgenden Interview, worauf es bei der Investition in Mittelstandsanleihen ankommt.
Das Geschäft mit Mittelstandsanleihen gewinnt wieder an Fahrt: Prominentes Beispiel ist die Firma Seidensticker, die aktuell den Kapitalmarkt anzapft. Kommt jetzt die große Emissionswelle? Wird 2012 das Jahr der Mittelstandsanleihen?
Schon zu Beginn des letzten Jahres sprachen viele vom Jahr der Mittelstandsanleihen - um dann zu erleben, dass ab Mitte des Jahres kaum noch neue Anleihen emittiert wurden. Ab August 2011 fingen dann auch noch die Kurse zum Teil recht kräftig an zu fallen. Die Ursache für den abrupten Halt in der Entwicklung lag jedoch nicht bei den Mittelstandsanleihen, sondern waren die Auswirkungen der Euro-Staatsschuldenkrise. Diese ließ viele Anleger, unter anderem auch Banken, vor Risiken zurückscheuen, so dass Neuemissionen nicht mehr platzierbar waren. Das betraf aber nicht nur den Bereich der Mittelstandsanleihen, sondern den Rentenmarkt allgemein: Je niedriger die Bonität, desto stärker wurde der Emittent abgestraft. Erst die Zinstender der EZB haben den Kapitalmarkt wieder in Gang gesetzt. Die enorme Liquiditätsspritze hat die Nachfrage nach attraktiven Renditen wieder angefacht. Davon ist auch der Bereich der Anleihen des Mittelstands betroffen. Solange das Vertrauen der Anleger anhält, wird auch dieser Trend anhalten. Auf lange Sicht wird der Bereich der Mittelstandsanleihen weiter wachsen, weil sich einerseits viele Unternehmen für die Zukunft eine alternative Finanzierungsquelle erschließen, andererseits auch viele Investoren in diesem Bereich investieren wollen.
Wie bewerten Sie die neue Seidensticker-Anleihe - die Anleihe ist mehrfach überzeichnet, der Kupon liegt gut sechs Prozent über dem einer vergleichbaren Bundesanleihe: Ist dies ein "Kauf" für Ihren Mittelstandsfonds?
Die Ausstattung der Anleihe war für uns im Grenzbereich, da die Eigenkapitalausstattung von Seidensticker knapp unter 10 Prozent liegt und die Anleihe zudem nur ein Emissionsvolumen von 30 Millionen Euro hatte. Dennoch war die Nachfrage groß. Das zeigt, dass ein guter Name auch Interesse bei Investoren weckt. Das ist aber nicht immer ein hartes Kriterium.
Bei der Emission von Mittelstandsanleihen greifen inzwischen auch Kleinanleger stärker zu. Wird dieser Trend aus Ihrer Sicht anhalten? Ist dies aus Ihrer Sicht positiv zu beurteilen?
In einem Umfeld, im dem der Leitzins der EZB noch für geraume Zeit sehr niedrig sein wird und in dem die Liquidität , die die EZB in den Markt gegeben hat, zu einer Jagd nach Rendite geführt hat, ist es nicht verwunderlich, dass sich auch Kleinanleger von den höheren Kupons der Anleihen des Mittelstands angezogen fühlen. Solange diese Situation anhält wird auch die Nachfrage nach Mittelstandsanleihen anhalten.
Wie sieht es mit der Kreditvergabe von Banken gegenüber mittelständischen Unternehmen aus: Hat sich die Situation bei dieser Finanzierungsmöglichkeit für Mittelständler in den letzten Monaten verbessert?
Wie man von den Unternehmen hört, halten sich die Banken in letzter Zeit trotz der enormen EZB-Geldspritzen wieder stärker bei der Kreditvergabe zurück. Das ist nicht verwunderlich wenn man bedenkt, dass die Banken gegenwärtig alles daran setzen, nicht nur ihr Eigenkapital zu schützen, sondern dieses sogar noch weiter zu erhöhen. Jeder neue Kredit bindet jedoch Eigenkapital.
Welchen Branchen im Mittelstandssegment stehen Sie grundsätzlich positiv gegenüber und warum? Welche Branchen meiden Sie?
Grundsätzlich investieren wir gerne in Branchen von Unternehmen, die zwar in Deutschland beheimatet, jedoch global tätig sind und so vom globalen Wirtschaftswachstum profitieren. Das Edelmetall- und Technologieunternehmen Heraeus aus Hanau ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich ein deutscher Mittelständler im internationalen Wettbewerb behauptet. Auf der anderen Seite sind wir vorsichtig bei Branchen, die letztendlich nur überleben können, wenn sie staatlich subventioniert sind. Dazu gehört beispielsweise die Solarbranche.
Es ist eine Vielzahl weiterer Anleihenemissionen von Mittelständlern im Gespräch - unter welchen Umständen werden Sie für Ihren Mittelstandsfonds zugreifen, wann nicht?
Grundsätzlich möchten wir immer vier Fragen plausibel beantwortet haben, bevor wir eine Entscheidung treffen: Wem gehört das Unternehmen? Wie ist das Verhältnis von Eigenkapital zu Fremdkapital? Besteht ein positiver Cash-flow? Wozu wird das Kapital benötigt? Nach Beantwortung dieser Fragen achten wir darauf, dass ein Minimum an Liquidität im Handel der Anleihe gewährleistet ist, und wir kein Klumpenrisiko in unserem Fonds erzeugen. Dies stellen wir durch eine größtmögliche Diversifizierung sicher.
Es mehren sich inzwischen auch warnende Stimmen zu Mittelstandsanleihen. Sind Mittelstandsanleihen riskant?
Selbstverständlich beinhalten viele dieser Anleihen auch ein höheres Risiko. Das zeigt sich schon an den höheren Kupons.
Wie lässt sich das Risiko eindämmen?
Jeder Anleger sollte vor dem Erwerb von Anleihen seine "Hausaufgaben" erledigen. Das heißt, er muss sich die gleichen Fragen stellen, die wir auch an den Emittenten richten. Und natürlich muss auch der Anleger dafür sorgen, dass er keine Klumpenrisiken im Portfolio hat. Wenn eine Anleihe zum Beispiel 20 Prozent des Portfolios ausmacht und der Emittent seine Anleihe nicht mehr bedienen kann, dann hat der Anleger im schlimmsten Fall 20 Prozent seines Portfoliowertes verloren. Eine Möglichkeit, diese Risiken zu senken, ist der Kauf von Mittelstandsanleihen über Fonds. Ein Fonds kann besser diversifizieren als ein Einzelanleger. Zusätzlich kann der Investor von der Expertise des Fondsmanagers bei der Analyse der Unternehmen profitieren.
Der Mittelstand gilt als das Herz der deutschen Wirtschaft. Wenn ich in den Mittelstand investieren will: Sind Anleihen oder Aktien die bessere Wahl?
An den Finanzmärkten habe ich grundsätzlich immer zwei Möglichkeiten, mich bei Unternehmen zu engagieren. Entweder ich beteilige mich oder ich gebe einen Kredit. Bei einer Beteiligung in Form einer Aktie bin ich Mitinhaber, und habe keinen Anspruch auf Rückzahlung im Fall eines Konkurses. Bei einer Anleihe bin ich Gläubiger und habe zumindest einen rechtlichen Anspruch auf einen Teil der Konkursmasse. Daher stellt die Anleihe zumindest immer das kleinere Risiko dar.

Saxo Capital nun auch in Südafrika zu Hause



















