AIG: USA verkauft erneut Anteile

07.02.2013

Die amerikanische Regierung verringert ihr milliardenschweres Engagement bei dem in der Finanzkrise geretteten Versicherungskonzern AIG durch einen erneuten Aktienverkauf. Wie das US-Finanzministerium bereits am Wochenende ankündigte sollen Aktien im Wert von 14,1 Milliarden Euro an der Börse verkauft werden.

(fw/db) Die American International Group (AIG) wird durch den Verkauf der Staatsbeteiligung wieder ein großes Stück unabhängiger. Mit dem geplanten Verkauf von Aktien reduziert sich, laut Angaben der US-Finanzbehörden, die Beteiligung an dem Versicherungskonzern AIG von 53 auf rund 20 Prozent. Bob Benmosche, CEO von AIG, rechnet damit, dass die Regierung den Versicherungskonzern bis 2013 vollständig in die Unabhängigkeit entlässt.

Der Staat hatte den in der Finanzkrise wegen Versicherung von Immobilienkrediten gefährdeten Versicherungskonzern 2008 mit 182 Milliarden US-Dollar vor dem Zusammenbruch gerettet. Die Rettung war damals die größte aller Hilfsmassnahmen in der US-Wirtschaft, welche die Regierung mit Steuergeldern leistete. Jetzt fließen durch den aktuellen Verkauf der Anteile etwa 18 Milliarden US-Dollar (14,1 Milliarden Euro) an den Staat zurück.

Im August 2012 waren durch das US-Finanzministerium Anteile im Wert von 5,7 Milliarden Dollar verkauft worden, und so wurde vergangenen Monat den staatlichen Anteil an dem Konzern von 61 auf 55 Prozent abgebaut. Der Restwert der staatlichen Anteile wurde im August vom Ministerium mit noch 25 Milliarden US-Dollar angegeben. In der Finanzkrise hatten die USA einen Anteil von 92 Prozent an dem Versicherer gehalten

Der amerikanische Staat beendet durch den Verkauf den Rettungseinsatz für AIG vor vier Jahren und wird jetzt zum Minderheitsaktionär des einst weltgrößten Versicherers.

Die AIG-Aktie notiert aktuell deutlich über der Marke, ab der für den Staat ein Gewinn herausspringt. Am Freitag schloss das Papier bei 33,99 Dollar, ab einem Kurs von 28,72 lohnt sich für die Regierung das Geschäft. Bei früheren Verkäufen von vier Tranchen hatte das Finanzministerium bereits einen Gewinn erzielt.

AIG selbst will nach eigenen Angaben Aktien im Wert von bis zu fünf Milliarden Dollar übernehmen. Analysten äußern sich enttäuscht, dass AIG nicht mehr eigene Aktien ins Unternehmen zurückholt. Um den Rückkauf überhaupt finanzieren zu können, will der Versicherer sich von einer Beteiligung in Milliardenhöhe an der früheren eigenen Konzern-Tochter AIA in Asien trennen.

In Europa ist die frühere AIG jetzt unter der Marke Chartis bekannt. Chartis Europe S. A., zu der auch die seit 1946 bestehende deutsche Chartis Niederlassung gehört, ist eine eigenständige Versicherungsgesellschaft und in Europa der französischen Finanzaufsicht ACP (Autorité de Contrôle de Prudentiel) unterstellt. Chartis Europe S. A. gilt nach Meinung von Analysten als finanziell sehr solide aufgestellt und verfügt, nach Angaben im Geschäftsbericht, über eine eigenständige, unabhängige Kapitalbasis. Zur Chartis-Gruppe gehört auch die WÜBA AG in Heilbronn, einer der ältesten Transportversicherer in Deutschland.

American International Group (AIG)

Konzern-Tochter AIA in Asien

Chartis Europe S. A